DGNB Geschäftsstelle, innen
1 Grüne Wand für eine verbesserte Luftqualität, 2 Flexible Möglichkeiten zur Raumgestaltung, 3 Emissionsarmer Teppich aus recycelten Fischernetzen mit hoher Trittschallreduzierung, 4 Sitzbänke aus FSC-zertifiziertem Holz

Das Herz des nachhaltigen Bauens in Deutschland schlägt in Stuttgart

Wer baut, trägt Verantwortung – für sich, die Menschen, die die Gebäude nutzen, und die Umwelt, in der wir leben. Das Prinzip des nachhaltigen Bauens, wie es die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. fördert, setzt hier an. Dabei geht das Engagement der Non-Profit-Organisation mit Sitz in Stuttgart weit über das bekannte Zertifizierungssystem hinaus.

Die Augen verschließen und Wegschauen ist angesichts des Klimawandels keine gute Option. Das gilt für die Bau- und Immobilienwirtschaft in besonderem Maße. Schließlich ist der Sektor in hohem Maße für den weltweiten Ressourcenverbrauch, den CO2-Ausstoß und das Abfallaufkommen verantwortlich. Positiv ausgedrückt: Hier liegen große Hebel, Potenziale, die genutzt werden können, um einen Wandel anzustoßen. Nur wie? Das Schlüsselwort lautet Nachhaltigkeit. Das Entscheidende dabei: Nachhaltigkeit darf keine Worthülse bleiben. Das muss mit Leben gefüllt werden, ein gemeinsames Verständnis für die anstehenden Herausforderungen liefern und Wege aufzeigen, wie dies praktisch anwendbar ist.

Innenhof des Caleido

Caleido: Sitz der DGNB

„Nachhaltiges Bauen und Stuttgart mit seiner hohen Planerdichte und Innovationstradition sind untrennbar miteinander verbunden.“

DGNB Vizepräsident,
Gründer haas cook zemmrich
STUDIO2050, Stuttgart

Wie das aussehen kann, zeigt die DGNB mit ihrem Zertifizierungssystem für Gebäude und Quartiere. Dieses fußt auf konkreten Kriterien – beim Neubau sind dies mehr als 30 –, die all jene Themen benennen, mit denen sich die Nachhaltigkeitsleistung eines Bauprojekts positiv beeinflussen lässt. Dies geht über die reine Betrachtung der Energieeffizienz weit hinaus. Vereinfacht lautet die Formel „Umwelt + Wirtschaftlichkeit + Mensch“. Sieht man genauer hin, fängt die Vielfalt der Kriterien bei einer umweltverträglichen Materialgewinnung und der Vermeidung von Schad- und Risikostoffen an. Es geht über die Betrachtung der kompletten Lebenszykluskosten, angefangen bei der Rohstoffgewinnung bis zum Rückbau des Gebäude nach 50 Jahren, und umfasst dazu noch all jene Themen, die dazu beitragen, dass wir die Gebäude gerne nutzen und in ihnen gesund und leistungsfähig bleiben können.

THINK K Stuttgart Killesberg, Stuttgart

Der große Wert des DGNB-Zertifizierungssystems liegt darin, dass es hilft, alle am Bau Beteiligten schon zu einer früheren Projektphase mit einem gemeinsamen Verständnis für die Aufgabenstellung des nachhaltigen Bauens an einen zu Tisch bringen. Es geht also um mehr als eine Plakette, die
das Gebäude schmückt. Es geht um integrale Prozesse und planerische Weitsicht, die heute schon die Kosten für morgen und übermorgen mitdenkt.

Hinter all dem steckt mit der DGNB eine Non-Profit-Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, eine nachhaltige Bauweise zu fördern und ein Bewusstsein für deren Notwendigkeit und Chancen zu schaffen – in der Fachöffentlichkeit, aber auch in der breiten Gesellschaft. Seit seiner Gründung im Jahr 2007 hat sich der Verein mit mehr als 1.200 Mitgliedsorganisationen in nicht einmal 10 Jahren zu Europas größtem Netzwerk für nachhaltiges Bauen entwickelt. Ausgehend von der Geschäftsstelle im Herzen von Stuttgart vernetzt die DGNB Architekten und Planer mit Investoren, Bauunternehmen, Bauproduktehersteller, Hochschulen und Verbänden. Gerade in der Region Stuttgart gibt es dabei zahlreiche Unternehmen, die mit ihrem Engagement aktiv dazu beitragen, die Erfolgs-
story der DGNB weiterzuschreiben.

Ein wesentlicher Teil dieser Geschichte spielt sich im Caleido in der Tübinger Straße ab, das, wie mehr als 50 weitere Projekte, in Stuttgart von der DGNB mit einem Zertifikat oder Vorzertifikat ausgezeichnet wurde. Der Neubau ist seit Juli 2014 die neue Heimat des Vereins. Dabei bietet das Büro nicht nur Platz für die rund 40 Mitarbeiter der DGNB. Als Living Showroom bietet es interessierten Besuchern die Gelegenheit, selbst zu erleben, was sich hinter dem Prinzip des nachhaltigen Bauens verbirgt. Ein Angebot, das mehr als 4.000 Besucher bereits genutzt haben – Aha-Effekte inklusive.

Blocher Blocher Partners, Stuttgart

Zentrum für Virtuelles Engineering – Fraunhofer IAO, Stuttgart

Für Aha-Effekte sorgt die DGNB zunehmend auch im Ausland. So sorgt das ganzheitliche Verständnis von nachhaltigem Bauen mit dem Qualitätsanspruch „Made in Germany“ für große Nachfrage. Die mehr als 2.000 von der DGNB zertifizierten Projekte verteilen sich auf über 20 Länder. Im Rahmen der Fort- und Weiterbildungsplattform DGNB Akademie wurden zudem in mehr als 30 Ländern 3.000 Fachkräfte zu Experten für nachhaltiges Bauen geschult. Ergänzt wird dies um viele weitere strategische Partnerschaften, etwa im World Green Building Council.

All das trägt dazu bei, dass von Stuttgart aus die Idee der DGNB in die Welt getragen wird. Ein wichtiger Schritt, denn letztlich stehen wir alle vor einer großen Herausforderung, die wir nur gemeinsam lösen können. Für eine lebenswerte Welt mit Gebäuden und Quartieren, in denen wir gerne und gesund leben können.